Die Erasmus+ Akkreditierung entwickelt sich in Liechtenstein zunehmend zu einem strategischen Erfolgsmodell der Berufsbildung. Mit einer Akkreditierung erhalten Betriebe und Organisationen über mehrere Jahre einen gesicherten Zugang zu Erasmus+-Fördermitteln, ohne jedes Mal neu einen Projektantrag zu schreiben. Was früher noch mit einzelnen Auslandspraktika verbunden wurde, wird heute von Ausbildungsbetrieben und Organisationen gezielt genutzt, um Fachkräfteentwicklung, Innovation und internationale Vernetzung langfristig zu stärken.

Als erste Organisationen aus der Industrie und im Gesundheits-/Dienstleistungssektor nutzen die thyssenkrupp Presta AG und die Liechtensteinische Alters- und Krankenhilfe (LAK) die Erasmus+ Akkreditierung. Die Industrie setzt dabei auf internationale Fachkompetenzen, moderne Arbeitsmethoden und die Attraktivität der Ausbildung. Die LAK nutzt Erasmus+, um Antworten auf aktuelle Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und die Weiterentwicklung pflegerischer Kompetenzen zu finden.

Der Mehrwert einer Akkreditierung geht über den einzelnen Mobilitätsaufenthalt (Lern- und Arbeitsaufenthalte im Ausland) hinaus. Lernende, Berufsbildnerinnen und Berufsbildner sowie Fachpersonen bringen neue Perspektiven, Methoden und Ideen aus dem europäischen Ausland zurück. Diese fliessen in Ausbildungsprozesse, Arbeitsabläufe und Organisationsentwicklungen ein und leisten damit einen nachhaltigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Berufsbildung. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Lernende absolvieren Praktika oder Gruppenmobilitäten im Ausland, Berufsbildende nehmen an Job-Shadowings teil, Fachpersonen besuchen Weiterbildungen oder tauschen sich mit internationalen Expertinnen und Experten aus. So entstehen internationale Netzwerke und neue Impulse für Qualität, Innovation und Zukunftsfähigkeit.

Internationale Mobilität in Liechtenstein ist längst etabliert, das zeigt auch die Kunstschule Liechtenstein. Seit vielen Jahren sind Erasmus+-Mobilitäten ein wichtiger Bestandteil des künstlerischen Vorkurses. Die internationale Erfahrung ist fest im Ausbildungskonzept verankert und ermöglicht jungen Gestalterinnen und Gestaltern wertvolle Einblicke in andere kreative und kulturelle Kontexte. Eine zentrale Rolle beim Aufbau der internationalen Mobilität in der liechtensteinischen Berufsbildung spielt zudem das Amt für Berufsbildung und Berufsberatung (ABB). Mit den Programmen «MOJA», das bereits seit 1998 besteht, und «go to Europe», das seit 2015 umgesetzt wird, prägt das ABB die internationale Mobilität von Lernenden seit vielen Jahren massgeblich mit. Als erste Organisation in Liechtenstein im Bereich Berufsbildung durchlief das ABB zudem den Erasmus+ Akkreditierungsprozess und sammelte früh Erfahrungen mit der strategischen Verankerung von Mobilitäten. Die langjährige Aufbauarbeit dieser Programme hat wesentlich dazu beigetragen, dass internationale Lern- und Arbeitsaufenthalte heute ein etablierter Bestandteil der Berufsbildung sind und Lernenden den Zugang zu europäischen Lern- und Arbeitswelten ermöglichen.

Bemerkenswert ist das aktuelle Interesse vom Liechtensteinischen Landesspital und dem Amt für Personal und Organisation der Liechtensteinischen Landesverwaltung. Im Landesspital könnten internationale Erfahrungen gezielt für die Weiterentwicklung der Gesundheitsberufe, der Pflegebildung sowie innovativer Versorgungsmodelle genutzt werden. In der Landesverwaltung könnten Zukunftskompetenzen, Sozialkompetenzen, europäische Werte, Digitalisierung und Organisationsentwicklung stärker in die Ausbildung der Lernenden integriert werden.

Damit wird sichtbar: Erasmus+ entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Instrument, das die liechtensteinische Berufsbildung als Lernraum nutzt. Die steigende Zahl akkreditierter Organisationen zeigt, dass internationale Mobilität nicht mehr als Zusatzangebot verstanden wird, sondern als nachhaltiger Beitrag zur Qualität, Attraktivität und Zukunftsfähigkeit der Berufsbildung in Liechtenstein. Für interessierte Unternehmen und Organisationen steht Ilir Ajgeraj, Bereichsleiter Erasmus+ Berufsbildung gerne zur Verfügung: ilir.ajgeraj@aiba.li.