Manchmal genügen wenige Tage, um neue Perspektiven zu eröffnen und den weiteren Lebensweg nachhaltig zu prägen. Für Simone Terheggen war ein fünftägiger Erasmus+-Aufenthalt an der Oberschule Eschen im Sommer 2025 genau ein solcher Wendepunkt. Was ursprünglich als berufliche Weiterbildung gedacht war, führte schliesslich zu einem Neustart in Liechtenstein.

Erstmals mit Erasmus+ in Berührung kam sie an ihrer damaligen Schule in Deutschland. Die Schule ist seit 2023 Erasmus+-akkreditiert und ermöglicht ihren Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonen internationale Lernerfahrungen. Mobilitäten, Fortbildungen und Job-Shadowings für Lehrkräfte weckten ihr Interesse. «Das fand ich total spannend. Ich wurde neugierig und bekam immer mehr Lust, selbst eine solche Erfahrung zu machen und über den eigenen schulischen Alltag hinauszuschauen.»

Für ihr eigenes Job Shadowing stiess sie auf die Erasmus+-akkreditierte Oberschule Eschen. Vom 23. bis 27. Juni 2025 erhielt sie dort einen umfassenden Einblick in den Schulalltag. Sie hospitierte vor allem im Mathematik- und Sportunterricht, begleitete einen Schwimmunterricht, unterstützte ein Sportevent für Primarschulkinder und nahm an einem Klassenausflug teil. Besonders beeindruckten sie die Offenheit des Kollegiums und die persönliche Atmosphäre an der Schule. «Positiv überrascht hat mich die offene Aufnahme der Lehrkräfte. Viele haben mich persönlich begrüsst, sich vorgestellt oder ein kurzes Pläuschchen gehalten. Das ist in Deutschland nicht so selbstverständlich, da es dort in den grösseren Systemen etwas anonymer abläuft.», erinnert sich Simone.

Auch die Unterschiede zum deutschen Schulsystem blieben ihr in Erinnerung. Kleinere Klassen, eine stärkere individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler, Schulassistenzen sowie die digitale Ausstattung und den selbstverständlichen Einsatz von Laptops schufen aus ihrer Sicht optimale Lernbedingungen.

Damals ahnte sie noch nicht, welche Bedeutung diese Woche für ihre Zukunft haben würde. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland setzte sie sich zunehmend mit ihrer beruflichen und persönlichen Zukunft auseinander. Neben den positiven Erfahrungen an der Oberschule Eschen spielte auch der Wunsch nach einem gemeinsamen Alltag mit ihrem Partner in Liechtenstein eine wichtige Rolle. Als später eine Stelle an der Oberschule Eschen ausgeschrieben wurde, fiel die Entscheidung leichter. Seit August 2026 arbeitet sie dort als Fachlehrperson für Mathematik, RZG (Räume, Zeiten, Gesellschaften), WAH (Wirtschaft, Arbeit, Haushalt) sowie bildnerisches Gestalten.

Für sie steht fest, dass Erasmus+ dabei eine entscheidende Rolle gespielt hat: «Ohne diesen Aufenthalt hätte ich die Schule, das Kollegium und den Alltag vor Ort wahrscheinlich nicht auf diese Weise kennengelernt. Erasmus+ hat mir eine Tür geöffnet, durch die ich mich sonst vielleicht nicht getraut hätte zu gehen.»

Ihre Geschichte zeigt eindrücklich, welche Chancen Erasmus+ bietet. Internationale Erfahrungen ermöglichen neue Perspektiven, fachlichen Austausch und persönliche Weiterentwicklung. Gleichzeitig profitieren Schulen und Lernende von neuen Ideen und Impulsen aus anderen Bildungssystemen. Anderen Lehrpersonen, die eine Erasmus+-Mobilität in Betracht ziehen, gibt sie deshalb einen einfachen Rat mit auf den Weg: «Einfach machen und offen für Neues sein. Was hat man zu verlieren?»

Aus fünf Tagen Hospitation wurde ein neuer Lebensabschnitt in Liechtenstein und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Erasmus+ Menschen, Schulen und Länder miteinander verbindet.