Projektorganisatorin Bianca van der Helm erklärt im Interview mit dem Vaterland, wie Volley Mauren-Eschen mit dem Erasmus+-Projekt «Santa’s Sport Lab – From Arctic inspiration to local impact» Trainerkompetenzen stärkt und nachhaltige Vereinsstrukturen aufbaut.
Frau van der Helm, was war der entscheidende Impuls für den liechtensteinischen Volleyballverein, eine Kooperation im Santa’s Sport Lab in Rovaniemi durchzuführen?
Bianca van der Helm: Santa’s Sport und Arctic Volley in Rovaniemi verbinden Spitzensport, Wissenschaft und Nachwuchsförderung auf beeindruckende Weise. Diese professionelle und interdisziplinäre Struktur hat uns überzeugt. Auch wenn nicht alles direkt übertragbar ist, konnten wir viele wertvolle Ideen und Impulse für unsere Arbeit und die Weiterentwicklung des Volleyballs in Liechtenstein gewinnen.
Wie stellen Sie sicher, dass die in Finnland gewonnenen Erkenntnisse zur mentalen Betreuung und Verletzungsprävention konkret in den Trainingsalltag Ihrer Trainer einfliessen?
Wir geben die Erkenntnisse über interne Trainermeetings und Workshops weiter. Zudem haben wir von Santa’s Sport hilfreiche Unterlagen erhalten, die wir im Trainerteam nutzen möchten. Bei Fragen bleiben wir im Austausch mit unseren Partnern in Finnland, auch wenn wir mit dem LOC in Liechtenstein ebenfalls gute Anlaufstellen haben. Viele Ansätze bestätigen unsere Arbeit, andere geben neue Impulse.
Welche Ansätze aus dem finnischen Modell zur Einbindung von Eltern und Freiwilligen lassen sich realistisch auf die Vereinsstrukturen in Liechtenstein übertragen?
Bei Arctic Volley bringen sich Eltern, aktive Spieler, ehemalige Spieler und weitere Interessierte ganz selbstverständlich ins Vereinsleben ein und übernehmen früh Verantwortung. Hier spürt man einen kulturellen Unterschied zu Liechtenstein. Trotzdem möchten wir versuchen, auch bei uns diese stärkere Mitverantwortung und Identifikation mit dem Verein zu fördern. Gerade unter den Trainern und Coaches in Rovaniemi findet ein guter Austausch und Rückhalt statt. Jedes Engagement ist wertvoll, egal wie gross es ist. Das hat uns inspiriert und dort wollen wir ansetzen. Mit regelmässigem Austausch und gegenseitiger Unterstützung wollen wir die Gemeinschaft von innen fördern und stärken. Durch eine gute Gemeinschaft erhoffen wir uns, dass dieser Funke und die Motivation auch auf andere überspringen kann.
Inwiefern unterscheidet sich das Konzept der Ganzheitlichkeit bei der finnischen Athletenbetreuung von Ihrem bisherigen Ansatz in der Jugendarbeit?
Bei Arctic Volley ist die Athletenbetreuung stark vernetzt: Sport, Schule, mentale Stärke und Prävention greifen systematisch ineinander. Bei uns lag der Fokus bisher stärker auf dem sportlichen Training. Die Zeit, die die Spielerinnen und Spieler pro Woche im Verein verbringen, ist sehr limitiert. Zudem arbeiten in Santa’s Sport viele Teams mit Chef- und Assistenztrainern sowie zusätzlichen Spezialisten – eine Struktur, die viel Engagement verlangt. Durch diese Faktoren ist es uns momentan noch nicht möglich, auf allen Ebenen zu arbeiten und diese stärker zu vernetzen. Wir sehen jedoch den klaren Mehrwert und arbeiten bereits daran, uns Schritt für Schritt in diese Richtung zu entwickeln.
Mit welchen Instrumenten planen Sie die langfristige Sicherung des neu erworbenen Fachwissens in Liechtenstein umzusetzen?
Wir planen regelmässige Trainermeetings mit fachlichem Aus tausch und praxisnahen Workshops. Zentrale Inhalte werden strukturiert dokumentiert und allen zugänglich gemacht, damit unsere gemeinsame Vereinsidee klar ist und im Trainingsalltag einheitlich gelebt wird. Zudem etablieren wir feste Austauschformate zwischen Trainern und Funktionären.
Welchen Mehrwert versprechen Sie sich von der europäischen Vernetzung für die zukünftige strategische Ausrichtung des Vereins?
Die europäische Vernetzung bringt neue Ideen, Perspekti ven und direkten Austausch mit anderen Vereinen. Sie hilft uns, Strukturen weiterzuentwickeln, voneinander zu lernen und unseren Verein langfristig moderner und professioneller auszurichten. Gleichzeitig entstehen wertvolle Kontakte für unsere Spielerinnen und Spieler, etwa für gemeinsame Trainingslager oder Turniere.
Wie übersetzt der Verein abstrakte europäische Ziele wie Inklusion und Fairness durch dieses Projekt in messbare Veränderungen auf dem Spielfeld?
Wir setzen dies durch klare Teamregeln, bewusstes Coa ching und gleiche Entwicklungschancen für alle Spielerinnen und Spieler um. Fairness, Respekt und gegenseitige Unterstützung leben wir als Coaches vor und sie werden von jedem Mitglied im Training aktiv eingefordert. Es sind fes te Bestandteile unserer Team- und Vereinskultur.
Was erhoffen Sie sich, werden die Vereinsmitglieder nach diesem Mobilitätsprojekt in Finnland die Qualität der Organisation nachhaltig verbessert haben?
Dieses Projekt hat uns inspiriert, klarere Strukturen und eine bessere Abstimmung im Trainerteam aufzubauen. Durch eine gut organisierte Gemeinschaft fallen herausfordernde Aufgaben leichter – gemeinsam geht vieles einfacher und motiviert zusätzlich. Wir durften viele wertvolle Impulse für Trainings- und Vereinsorganisation mitnehmen. Durch die gewonnenen Erfahrungen können wir Abläufe effizienter gestalten und die Qualität unserer Vereinsarbeit langfristig weiterentwickeln. Dies wird nicht von heute auf morgen geschehen, aber wir werden gemeinsam daran arbeiten und unsere neuen Ziele und gewonnen Inspirationen verfolgen.


